Der Diplocaulus-Code: Wie ein „Bumerang“ zum Jagdwerkzeug wurde

Neue Spurenfossil- und Funktionsanalysen eröffnen eine andere Sicht auf Diplocaulus: Der bumerangförmige Schädel wird als Teil eines spezialisierten Saugfangsystems rekonstruiert. Sebastian Brandts Modelle und Animationen veranschaulichen die zugrunde liegenden paläontologischen Befunde.

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360°-Ansicht einer wissenschaftlich fundierten paläontologischen Rekonstruktion von Diplocaulus.

Diplocaulus – eine funktionsmorphologische Studie

Paläontologische Rekonstruktion auf Bestellung

Rekonstruktion von Diplocaulus durch Sebastian Brandt auf Grundlage des Forschungsstands 2026.

Ein neuer Blick auf eines der rätselhaftesten Tiere des Perms

Manche Organismen wirken in der Paläontologie beinahe fremdartig. Diplocaulus ist ein eindrucksvolles Beispiel: ein Amphibienvertreter mit einem bumerangförmigen Schädel. Welche Funktion hatte dieser ungewöhnliche Körperbau? Sebastian Brandt vom Atelier Reco-Brandt hat die Frage erneut untersucht und stellt eine neue Deutung vor.

Dimetrodon und parasurus geinitze paleontological reconstruction by sebastian brandt in natural habitat
Dimetrodon und parasurus geinitze paleontological reconstruction by sebastian brandt in natural habitat

Feuchtsavanne mit Dimetrodon und Parasaurus geinitzi, paläontologische Rekonstruktion von Sebastian Brandt.

Eine Reise 290 Millionen Jahre zurück

Um das Tier zu verstehen, ist zunächst sein Lebensraum zu betrachten. Vor etwa 290 Millionen Jahren prägte der Superkontinent Pangäa die Erde. Das stark kontinentale Klima führte zu erheblichen täglichen Temperaturschwankungen. Zeitweilige Megamonsunereignisse verursachten ausgedehnte Überschwemmungen.

Diplocaulus bewohnte sumpfige Landschaften mit zahlreichen flachen Gewässern. Sein Körperbau zeigt eine ausgeprägte funktionelle und morphologische Spezialisierung auf diese Umweltbedingungen.

Pangeas planet graphic image by Reco-Brandt
Pangeas planet graphic image by Reco-Brandt

Ansicht der Erde mit dem Superkontinent Pangäa.

Die traditionelle Hypothese: eine hydrodynamische Struktur?

Jahrzehntelang wurde der ungewöhnliche Schädel als hydrodynamische Struktur gedeutet. Ähnlich einer Flugzeugtragfläche sollte er beim Schwimmen Auftrieb erzeugt haben. Andere Hypothesen betonten eine Schutzfunktion: Der breite Kopf hätte es Räubern erschwert, das Tier zu verschlingen.

outdated illustration of diplocaulus by unknown artist
outdated illustration of diplocaulus by unknown artist

Ältere, hier als überholt bewertete Darstellungen verschiedener Künstler:

outdated illustration of diplocaulus by terryl whitlach
outdated illustration of diplocaulus by terryl whitlach

Ältere Darstellung von Diplocaulus.

Das Skelett: ein außergewöhnlicher Bauplan

Das postcraniale Skelett ähnelt in vieler Hinsicht dem heutiger Salamander. Auffällig sind jedoch der flache, zierliche Körper und vor allem der charakteristische Schädel von Diplocaulus, der bis zu 30 Zentimeter breit werden konnte.

Jungtiere besaßen noch vergleichsweise rundliche, salamanderähnliche Schädel. Mit dem Heranwachsen vergrößerten sich die seitlichen Fortsätze erheblich. Kleine Augen und eine relativ kleine Mundöffnung sind weitere Hinweise auf eine hochspezialisierte Lebensweise.

Diplocaulus sceleton graphic and photography by Reco-Brandt
Diplocaulus sceleton graphic and photography by Reco-Brandt

Skelett von Diplocaulus mit seinem charakteristischen bumerangförmigen Schädel.

Der Schlüsselbefund: Spurenfossilien aus dem Thüringer Wald

Ein entscheidender Hinweis stammt aus unscheinbaren Spurenfossilien, die in den 1970er-Jahren in Thüringen entdeckt wurden. Bei Rotterode fanden sich ungewöhnliche Ruhespuren, bezeichnet als Hermundurichnus fornicatus, deren Deutung zunächst unklar war.

1980 erkannten Th. Martens, J. Schneider, R. Werneburg und Kollegen darin Ruhespuren von Diplocauliden. Nach der hier zugrunde gelegten Darstellung sind es die ersten und bislang einzigen derartigen Nachweise weltweit. Die feinkörnigen Sedimente eines kleinen Gewässers bewahren äußerst detaillierte Hautabdrücke mit Schuppenmustern sowie komplexe Bewegungsspuren.

Sebastian Brandt untersuchte diese Spuren 2014 erneut. Er deutete den Schädel als durch funktionelle Weichteilstrukturen, sogenannte „cervical flaps“, in einen scheibenförmigen Körperumriss eingebunden. Dieser membranöse Saum könnte sich über den gesamten Körper einschließlich der Gliedmaßen erstreckt haben. Daraus ergibt sich eine breite, sehr flache Körperform, funktionell mit heutigen Plattfischen vergleichbar. Erkennbar sind außerdem vertikale Kopfbewegungen, bogenförmige Kratzspuren eines flossengesäumten Schwanzes und Abdrücke der Vorderfußzehen.

Die Befunde werden als Abfolge einer zunächst kreisenden Körperbewegung, eines kräftigen schrägen Eindrückens des Vorderkörpers in das Substrat und schließlich rascher, wiederholter Auf- und Abbewegungen des bumerangförmigen Schädels interpretiert.

Fossil resting trace attributed to a diplocaulid, showing a body impression and associated movement marks.
Fossil resting trace attributed to a diplocaulid, showing a body impression and associated movement marks.

Skelett von Diplocaulus mit ergänzender grafischer Rekonstruktion.

Eine neue Deutung: der „Bumerang“ als Saugapparat

Die Spurenanalyse legt einen auffälligen Bewegungsablauf nahe: Das Tier führte krallende Bewegungen aus und bewegte zugleich den verbreiterten Kopf und damit den gesamten Körpersaum rasch vertikal auf und ab.

Welche Funktion könnte dieser Bewegungsablauf gehabt haben?

Brandt deutet Hermundurichnus fornicatus als Fraßspur von Diplocauliden. Nach dieser Hypothese erzeugte das Tier örtlich begrenzten Unterdruck und übertrug ihn in das weiche Sediment des Gewässerbodens. So hätte Diplocaulus eingegrabene Beutetiere wie kleine Krebstiere, Insektenlarven und Weichtiere aus dem Substrat lösen können – funktionell vergleichbar mit einer Saugpumpe.

Die neue Hypothese: der „Bumerang“ als Saugpumpe

graphic explaining diplocaulus hunting process
graphic explaining diplocaulus hunting process

Diplocaulus in einem permzeitlichen Gewässer – 3D-Animation.

Animationen von Reco-Brandt

Diplocaulus reconsturction under water made by sebastian Brandt
Diplocaulus reconsturction under water made by sebastian Brandt

Paläontologische Rekonstruktion von Diplocaulus durch Sebastian Brandt.

Wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion

Um die Hypothese anschaulich zu machen, entwickelte das Atelier Reco-Brandt eine neue Rekonstruktion. Sie verbindet Skelettdaten mit den aus Hermundurichnus fornicatus gewonnenen Erkenntnissen.

Das Modell zeigt Diplocaulus als spezialisierten Räuber permischer Gewässer. Die Rekonstruktion wird im Naturmuseum St. Gallen ausgestellt. Besucherinnen und Besucher können sie dort unmittelbar erleben.

Ein individuell gefertigter Diplocaulus in Museumsqualität?

Mit über 15 Jahren Erfahrung im wissenschaftlich präzisen Modellbau fertigt Reco-Brandt detailreiche paläontologische Rekonstruktionen für Forschende, Institutionen und private Sammler. Unsere Arbeiten sind in Naturkundemuseen weltweit ausgestellt. Jedes Modell entsteht individuell und mit wissenschaftlicher Sorgfalt.

Hier ein Angebot anfragen:

Diplocaulus replica in exhibition setting, made by Sebastian Brandt
Diplocaulus replica in exhibition setting, made by Sebastian Brandt

Paläontologische Rekonstruktion von Diplocaulus in einer Ausstellung.

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+49 176 61287877
s.brandt@reco-brandt.com

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